
Aus eigener Kraft
Die Dresdner Extremschwimmerin Kirsten Seidel will als erste Deutsche den Ärmelkanal hin und zurück durchschwimmen – ohne vorheriges Training, nur mit Hilfe der Kraft ihrer Gedanken. Doch ihr geht es nicht um ihren persönlichen Ehrgeiz. Ihr Ziel ist es vielmehr, Spenden für ein Waisenhaus auf Haiti zu sammeln.
Sportliche Ausnahmeleistungen geben nicht nur dem Sportler selbst das berauschende Gefühl, etwas Außergewöhnliches erreicht zu haben, sondern zeigen auch allen anderen, dass man ein Ziel erreichen kann, wenn man nur hart genug dafür kämpft. Die Dresdnerin Kirsten Seidel hat sich so ein mutiges Ziel gesetzt: sie will den Ärmelkanal von England nach Frankreich und zurück durchschwimmen – ohne Pause und Schlaf. Erst 13 Menschen haben dies vor ihr geschafft, sie wäre die erste Deutsche. Die Ärmelkanalquerung, die Experten auch als "Mount Everest horizontal" bezeichnen, gehört zu den weltweit größten sportlichen Herausforderungen. Sportler, die sich ein solches Ziel setzen, trainieren dafür normalerweise monatelang. Aber Kirsten Seidel verzichtet darauf. Lediglich durch mentales Training bereitet sie sich auf die mindestens 66 Kilometer lange Strecke von Dover nach Calais und zurück vor. Seidel ist überzeugt: "Ich weiß, dass ich es schaffe. Ich will zeigen, dass es sich lohnen kann, auch in schwierigen Momenten durchzuhalten. Und dass man Unmögliches möglich machen kann, wenn man fest genug daran glaubt."
So wie momentan die vielen freiwilligen Helfer, die die Menschen auf Haiti beim Wiederaufbau ihrer Heimat unterstützen. Kirsten Seidel will ihren Teil dazu beitragen und mit ihrem Engagement auf die Not der vielen Kinder, die durch die Naturkatastrophe auf Haiti zu Waisen wurden, aufmerksam machen. Deshalb sucht sie nun für jeden der 66 zu schwimmenden Kilometer einen Sponsor, der bereit ist, mindestens 500,- Euro zu spenden. „Davon soll ein neues Kinderdorf auf Haiti gebaut werden, um möglichst vielen Waisenkindern ein neues Zuhause geben zu können“, sagt sie. Ihr Vorhaben ist nicht ohne Risiko. Bei einer auch im Sommer selten über 16 Grad steigenden Wassertemperatur droht den Ärmelkanalschwimmern schnell Unterkühlung. „Darüber hinaus ist man starken Strömungen und Wellen von bis zu drei Metern Höhe ausgesetzt“, erklärt die 45jährige die Besonderheiten der Strecke. Dazu kommt, dass der Ärmelkanal die meistbefahrene Meeresstrecke der Welt ist. Etwa 50 Schwimmer schaffen es jährlich, die einfache Distanz zu schwimmen – nicht selten müssen Beiboote völlig entkräftete Sportler Kilometer vor dem ersehnten Ziel aus dem Wasser ziehen.
Diese Aktion ist nicht das erste Engagement von Kirsten Seidel zugunsten von Kindern. Bereits im Jahr 2006 sorgte sie für Schlagzeilen, als sie anlässlich der 800-Jahr-Feier ihrer Heimatstadt Dresden als erster Mensch in zehn Tagen insgesamt 550 Kilometer die Elbe entlang bis nach Hamburg schwamm und Spenden für krebskranke Kinder sammelte. Im Jahr 2003 schwamm sie als erste deutsche Frau den Belt-Marathon von Fehmarn nach Dänemark.